Die Geschichte des Klaviers


Wie jedes Instrument wurde das Klavier natürlich irgendwann einmal erfunden und entwickelt. Es dauerte einige Jahre und Entwicklungsstufen, bis die heutige Bauform des Klaviers beziehungsweise Flügels entstand. In diesem Beitrag erfährst du alles zur Geschichte des Klaviers und welche Entwicklungen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch kommen könnten.

 

Geschichte des Klaviers

Für kein Instrument wurde so viel Literatur wie fürs Klavier geschrieben. Dabei ist die heutige Form des Klaviers verhältnismäßig jung (im Gegensatz zum Beispiel zur Geige) und hat eine lange Entwicklungsgeschichte hinter sich.

Was bedeutet die Bezeichnung Klavier?

Das Wort „Klavier“ kommt vom Lateinischen „clavis“, was Schlüssel bedeutet. Im Mittelalter wurde die Tonstufe mit „clavis“ bezeichnet und weil die Bezeichnung teilweise direkt auf die Orgeltasten geschrieben wurden, wurde bald auch die Taste so genannt. Die Gesamtheit der Tasten wurde auf Französisch clavier genannt, wovon sich letztlich die deutsche Bezeichnung Klavier ableitet.

Altertümliche Tasteninstrumente

Die Saiten von Saiteninstrumente können prinzipiell auf drei verschiedene Arten in Schwingung versetzt werden: Zupfen, Streichen oder Schlagen. Ein frühes Beispiel für ein Instrument, dessen Saiten geschlagen werden, ist das Hackbrett, das bereits in der Antike bekannt war.

Erste tastenbetriebene Saiteninstrumente gab es bereits im 14. Jahrhundert, als Vorbild nahm man die damals bereits relativ weit entwickelte Orgel. Als erster echter Vorläufer des Klaviers wurde dann das Clavichord entwickelt. Beim Clavichord werden die Saiten mit einer Metalltangente angeschlagen.

Clavichord
Clavichord, Quelle: Wikipedia

Das Clavichord besaß bereits die Möglichkeit, die Lautstärke einzelner Töne durch die Stärke des Anschlags zu steuern. Beim beliebtesten Tasteninstrument der folgenden Zeit, dem Cembalo, ging diese Eigenschaft wieder verloren.

Das Cembalo – der Vorfahre des heutigen Klaviers

Im Barockzeitalter kam ein neues Tasteninstrument in Mode, das Cembalo. Wenn Johann Sebastian Bach von einem Klavier sprach, meinte er damit das Cembalo. Dabei handelt es sich um ein Zupfinstrument mit Klaviatur. Der Tastendruck setzt eine Mechanik in Gang, welche letztendlich die entsprechenden Saiten zupft und damit den Ton erzeugt.

Geschichte des Klaviers
Cembalo

Charakteristisch für das Cembalo ist der helle und obertonreiche Klang. Viele Cembali haben mehrere Register, welche ähnlich wie bei einer Orgel Klangfarbe und Lautstärke beeinflussen. Weil die Lautstärkesteuerung beim Cembalo durch Tastenanschlag nicht (oder nur sehr begrenzt) möglich ist, spielen andere Gestaltungsformen wie eine genaue Artikulation eine wichtige Rolle.

Heute wird das Cembalo vor allem für die authentische Wiedergabe von Barockmusik verwendet.

Wissenswert: Im Barock wurden viele Konzerte vom Cembalo aus dirigiert. Der erste Dirigent im heutigen Verständnis, der mit Taktstock vor dem Orchester steht, war Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Die Entwicklung des Hammerklaviers

Die mangelnde Möglichkeit, die Lautstärke zu regulieren, führten schließich zur erneuten Weiterentwicklung des Tasteninstruments und trieben die Geschichte des Klaviers entscheidend voran.

Ab Ende des 17. Jahrhunderts hatten mehrere Personen das Bestreben, ein Instrument zu entwickeln, das eine dynamische Spielweise ermöglicht.

Wer hat das Klavier erfunden?

Als Erfinder des Klaviers gilt der Italiener Bartolomeo Cristofori, der am Hofe der Medici in Florenz als Instrumentenbauer angestellt war. Er entwickelte im Jahr 1709 die bahnbrechende Hammermechanik, die heute noch wesentlich für das Klavier ist.

Cristofori bezeichnete das Wesentliche seiner Erfindung mit den Begriffen piano e forte (leise und laut), woraus sich später die Instrumentenbezeichnung Pianoforte entwickelte.

Auch in anderen Ländern wurden Klaviere mit Hammermechanik entwickelt, zum Beispiel von Marius in Frankreich (1716) und Christoph-Gottlieb Schröter (1721) in Deutschland. Letzterer konnte seine Hammermechaniken allerdings aus finanziellen Gründen nicht weiterentwickeln.

Anfangs wurde das Hammerklavier von vielen Musikern und Komponisten kritisch beäugt, Johann Sebastian Bach zog beispielsweise zeitlebens das Cembalo vor und bemängelte die zu schwachen Höhen und den schwierigen Anschlag der meisten Pianofortes.

Wann wurde das Klavier erfunden?

Das Klavier wurde 1709 erfunden. In diesem Jahr stellte Bartolomeo Cristofori sein Hammerklavier das erste Mal vor. Andere Quellen nennen auch das Jahr 1698 als Zeitpunkt der Fertigstellung des ersten Pianofortes.

Weiterentwicklung des Hammerklaviers

Ein wichtiger Name bei der Entwicklung des heutigen Klaviers ist der sächsische Instrumentenbauer Johann Gottfried Silbermann. Er entwickelte das Hammerklavier merklich weiter und am Hofe Friedrichs des Großen spielte es bald eine wichtige Rolle.

Die Geschichte des Klaviers
Nachbildung eines Klaviers aus dem Jahr 1805, Quelle: Wikipedia

Während es in der Mitte des 18. Jahrhunderts noch heftige Auseinandersetzungen zwischen Klavierfreunden- und gegnern gab, zog das Hammerklavier ab ca. 1780 in Sachen Beliebtheit am Cembalo vorbei.

Entscheidend dafür war das Tafelklavier, welches auf der Kastenform des Clavichords aufbaute.

Zur Zeit Mozarts Ende des 18. Jahrhunderts waren Flügel mit Prellzungenmechanik am weitesten verbreitet. Der Klang war viel leiser als von heutigen Konzertflügeln und die Instrumente erforderten einen viel gefühlvolleren Anschlag.

Die ersten aufrechten Klaviere in heutiger Bauform entstanden am Anfang des 19. Jahrhunderts. Erfolgreich wurde Robert Wornum mit seinem Cottage Piano, das aufgrund seiner platzsparenden Bauweise sehr beliebt wurde. Damals wie heute schlug ein Hammer von hinten auf die Saiten und nicht wie beim Flügen von oben nach unten. Ein weiterer Meilenstein bei der Weiterentwicklung des Klaviers war die Befilzung der Hammerköpfe.

Tipp: Einen tollen Eindruck über die Entwicklung und verschiedenen Frühformen des Klaviers bekommt man im deutschen Museum in München. Man kann dort im Rahmen von Führungen auch einzelne Instrumente probespielen.

Das moderne Klavier

Aktuell sind zwei Formen des Pianos verbreitet. Das (aufrechte) Klavier und der Flügel. Vorteile des Klaviers sind der günstigere Anschaffungspreis (beginnt ab ca. 2.000 €) und der geringere Platzbedarf. Den schönsten Klavierklang erreicht man mit einem Flügel (ab ca. 10.000 €). Bekannte Hersteller sind hier unter anderem Steinway, Bösendorfer und seit einiger Zeit auch Kawai und Yamaha.

Jährlich werden knapp 500.000 Klaviere gefertigt, von denen über die Hälfte in China stammen. Aus Deutschland kommen nicht einmal mehr fünf Prozent aller Klaviere. Von den deutschen Instrumenten werden rund 65 Prozent exportiert, da die Nachfrage nach deutschen Fabrikaten bei renommierten Konzertsälen hoch ist.  

Am reinen Klang wurden in den letzten 100 Jahren nicht mehr viel optimiert und so kann ein gut erhaltener Flügel aus den 1920er-Jahren immer noch hervorragend klingen. Voraussetzung ist natürlich, dass das Instrument fachmännisch gewartet wurde und Verschleißteile wie das Filz an den Hämmern erneuert wurden.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden erstmals elektronische Tasteninstrumente entwickelt und schlugen ein neues Kapiteln in der Geschichte des Klaviers auf. Keyboards fanden den Weg in die Popmusik und sind oft mehr Synthesizer oder Musikcomputer als reine Instrumente.

E-Pianos: Klaviere im Digitalzeitalter

Während mit dem Keyboard die Erweiterung der Klangmöglichkeiten im Vordergrund steht, sollen Digital- beziehungsweise E-Pianos akustische Klaviere möglichst gut nachbilden. In den 1980er-Jahren kamen die ersten E-Pianos auf den Markt. Im Gegensatz zum Keyboard wird beim Digitalpiano der Klang nicht synthetisiert, sondern vorher aufgenommen, digitalisiert, gesampelt und je nach Stärke des Tastendrucks wiedergegeben.

Die Geschichte des Klaviers
E-Piano von Kawai, Foto: Amazon.de

Die Kunst bei E-Pianos ist nicht nur, den Klang möglichst gut wiederzugeben, sondern auch die Mechanik des Klaviers nachzustellen. Es gibt sogar spezielle digitale Instrumente mit echter Hammermechanik, aber ohne Saiten.

Die Elektronik im Digitalpiano hat den Vorteil, dass erweiterte Funktionen wie das Transponieren per Knopfdruck oder das Wählen von anderen Sounds möglich sind. Außerdem lässt sich das E-Piano an den Computer anschließen und so für das einfache digitale Einspielen von Sounds verwenden. Optional kannst du auch einen Kopfhörer an das Digitalpiano anschließen, was besonders in Mehrparteienhäusern oder bei nächtlichem Üben vorteilhaft sein kann.

Eine relativ neue Entwicklung sind die sogenannten Hybridpianos oder auch oft Silent Pianos genannt. Dabei handelt es sich um akustische Klaviere oder Flügel, die sich auf Knopfdruck in den Digitalmodus umschalten lassen und so zum Beispiel das Üben mit Kopfhörern ermöglichen. Außerdem wird ein Hybridpiano mit weiteren Vorteilen wie das schnelle Transponieren der Tastatur oder das digitale Einspielen auf den Computer erweitert.

Technisch funktioniert das System so, dass die Tastenbewegungen über einen empfindlichen kontaktlosen Sensor registriert werden und dann wie bei einem herkömmlichen E-Piano zur digitalen Klangwiedergabe führen. Bei aktiviertem E-Modus werden die Hämmer einfach vor den Saiten gestoppt und es entsteht kein akustischer Klang. Führende Hersteller von Hybrid- bzw. Silent Pianos sind Yamaha, Kawai, Schimmel, Seiler und Kemble.

In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden sich vor allem die Digitalpianos weiterentwickeln und dem akustischen Vorbild immer näher kommen. Auch Hybridpianos werden eine wichtigere Rolle spielen, da sie die Vorteile von beiden Systemen verbinden.

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Quellen: Herbert Junghanns: „Der Piano- und Flügelbau“,
Louis Kentner: „Das Klavier“
https://de.yamaha.com/de/products/musical_instruments/pianos/silent_piano/
http://www.pian-e-forte.de/piano/history.htm

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Klavier


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  1. Guten Morgen aus dem musiculum in Kiel,

    wir sind gerade dabei, unsere Instrumenteninformationskärtchen für Kinder- und Jugendliche zu überarbeiten.
    Sehr gern würde ich die Grafik zur „Geschichte des Klaviers“ übernehmen. Darf ich das unter Nennung der Website?

    Mit freundlichen Grüßen
    Marret Claussen

    1. Ja sehr gerne 🙂 Freut mich, wenn die Grafik hilfreich ist

  2. Dr. Jacqueline Gabrielle Seitz sagt:

    Könnten sie mir erklären wann ist die heutige Klaviertastatur erfunden worden? Ist das ein langer Prozess gewesen mit verschiedenen Entwicklungsstufen? Leider kann ich diese Information nirgends finden.
    Vielen Dank

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