Schritt für Schritt zum richtigen Fingersatz am Klavier


Ein guter Fingersatz ist eine der am meisten unterschätzten Faktoren für das Meistern von Klavierstücken. Wie du zum perfekten Fingersatz kommst, erfährst du in diesem Beitrag.

Warum ein guter Fingersatz unverzichtbar ist

Du hast zehn Finger und das Klavier hat 88 Tasten. Rein von der Kombinatorik her gibt es deswegen schon enorm viele Möglichkeiten, die Tasten zu drücken. Auch für bestimmte Passagen gibt es immer mehrere Möglichkeiten, diese zu spielen.

Ein kluger Fingersatz kann das Spielen einer anspruchsvollen Passage deutlich erleichtern, während dich ein unvorteilhafter Fingersatz unnötig behindert.

Viele Pianisten unterschätzen die Wichtigkeit eines guten Fingersatzes. Auch ich habe lange den Fingersatz „improvisiert“. Nicht selten habe ich Stücke jedes Mal mit einem komplett anderem Fingersatz gespielt. Als ich angefangen habe, damit sorgfältiger umzugehen und mir die Zeit zu nehmen, mich mit dem Fingersatz zu beschäftigen, hat sich mein Spiel deutlich verbessert.

Schritt für Schritt zum richtigen Fingersatz am Klavier

Für was stehen die Ziffern?

Der Fingersatz wird mit Ziffern von 1 -5 angegeben. Diese geben an, mit welchem Finger du die Taste drückst.

  • 1 steht für den Daumen
  • 2 für den Zeigefinger
  • 3 für den Mittelfinger
  • 4 für den Ringfinger
  • 5 für den kleinen Finger

Diese Ziffern gelten für beide Hände, der linke Daumen hat also wie der rechte Daumen eine 1.

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Sollte jeder den gleichen Fingersatz benutzen?

Der Fingersatz ist eine sehr individuelle Sache. Nicht nur die Anatomie der Hände jedes Pianisten unterscheidet sich, sondern auch die Vorlieben. Ein Pianist mit sehr großen Händen wird an einigen Stellen einen komplett anderen Fingersatz bevorzugen als einer mit einer kleinen Hand.

Ansonsten hast du weitestgehend freie Wahl – der Fingersatz sollte dich lediglich nicht behindern und einem korrekten und fehlerfreiem Spiel nicht im Wege stehen. Mit der Zeit bekommst du ein immer besseres Gefühl, wie du am liebsten spielst.

Ein gutes Beispiel sind chromatische Tonleitern. Manche bevorzugen es, immer 1 – 3 – 1 – 3 – 1 – 2- 3 zu spielen, während andere komplexere Varianten wählen, bei denen auf der Ringfinger beteiligt ist.

Das kleine Fingersatz-Einmaleins

Ein paar grundlegende „Regeln“ und Tipps können dir dabei helfen, einen klugen Fingersatz zu wählen.

Keine schwarzen Tasten mit Daumen spielen

Dein Daumen ist deutlich kürzer als deine anderen vier Finger, weswegen es sich nicht empfiehlt, die weiter hinter liegenden schwarzen Tasten damit zu spielen. Wenn du es doch machst, führt das zu unnötigen Handgelenksdrehungen.

Eine Ausnahme sind Phrasen, bei denen du mehrere schwarze Tasten nacheinander spielst. Hier ist deine Hand sowieso schon weiter „oben“.

Lerne die Fingersatz-Basics

Manche Elemente wie (Teile von) Tonleitern, Akkorde und deren Umkehrungen und Arpeggios tauchen in fast jedem Stück auf. Es lohnt sich also, genau diese Elemente mit einem guten Fingersatz einzuüben. Tonleitern und Akkorde sind der Bestandteil in jedem Klavierunterricht. Wenn du dir Klavier selbst beibringst, findest du auf YouTube gute Videos dazu, zum Beispiel von Franz Titscher:

Eine nette Übersicht über Fingersätze der Tonim A4-Format erhältst du hier.

Wie du den richtigen Fingersatz herausfindest

Wie findest du jetzt den für dich richtigen Fingersatz bei einem Klavierstück heraus?

Viele Ausgaben von Klaviernoten haben bereits einen mehr oder weniger ausführlichen Fingersatzvorschlag. Ob mehr oder weniger Vorschläge (oder gar keine) am besten sind, darüber sind sich Experten uneinig.

Ich mag es am liebsten, wenn in den Noten ein paar Vorschläge eingezeichnet sind. Wenn ich sie gar nicht gut finde, dann kann ich sie immer noch ausbessern. Aber in vielen Phrasen können sie beim Erarbeiten eines Fingersatzes sehr sinnvoll sein.

Schaue dir bei Stücken besonders die schwierigen Passagen an. Probier ruhig ein paar verschiedene Varianten aus, bevor du dich entscheidest. Du solltest auch unbedingt die betreffende Stelle mal im Endtempo spielen. Nur so kannst du einschätzen, ob der Fingersatz nur bei langsamem Tempo oder auch bei schnellerem funktioniert.

Mit stummen Fingerwechseln und komplizierten Übersätzen kannst du dich beispielsweise über viele Stellen mogeln, wenn du langsam spielst. Je schneller du wirst, desto schwerer wirst du dir so tun.

Sei „faul“!

Sei immer auf der Suche nach einem Fingersatz, bei dem sich die Hand möglichst wenig bewegen muss. Wenn du einen klugen Fingersatz wählst, vermeidest du oft unnötige Handbewegungen, die zu Stolperfallen mutieren können.

Stimme den Fingersatz auf den Ausdruck ab

Habe bei der Wahl des Fingersatzes auch immer den Ausdruck im Hinterkopf. Stelle dir folgende Fragen:

  • Wie ist die Phrase aufgebaut und wo ist deren Höhepunkt?
  • Wo gibt es eine Zäsur?
  • Wo gibt es Akzente?

Im Optimalfall sollte der Fingersatz es dir leicht machen, die Passage so klingen zu lassen, wie sie soll. Akzente kannst du beispielsweise mit dem Daumen gut hervorheben. Bei Zäsuren hast du Gelegenheit, mit der Hand zu springen oder einen stummen Fingerwechsel zu machen.

Wichtiger Hinweis:
Übe die betreffende Stelle unbedingt mit beiden Händen, bevor du dich für einen Fingersatz festlegst. Manche Fingersätze sind mit getrennten Händen leicht zu spielen, beidhändig aber dann schwierig.


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Fingersatz richtig notieren

Sobald du dir einen Fingersatz erarbeitet hast, solltest du ihn unbedingt auch in die Noten eintragen. Habe deshalb immer einen Bleistift zur Hand! Besonders wenn du bereits gelernte Stücke nach vielen Wochen wiederholst, wirst du heilfroh über deine eingetragenen Fingersätze sein – glaub mir!

Du solltest aber nicht übereifrig über jede Note eine Ziffer schreiben, sondern die Eintragungen mit Maß vornehmen. Trage so viel ein, dass sich der Rest von selbst ergibt.

Gleich zu Beginn Fingersatz festlegen

Gedanken zum Fingersatz solltest du dir unbedingt am Anfang des Einstudierens machen. Es kostet zwar etwas Mühe, dir einen Fingersatz zu suchen und zu notieren, aber der Aufwand lohnt sich. Wenn du ohne einen festen und sinnvollen Fingersatz übst, wird dein Fortschritt deutlich verlangsamt.

Auch viele Fehler beim Vorspielen sind auf Unschlüssigkeiten beim Fingersatz zurückzuführen. Vermeide am besten dieses unnötige Risiko 😉

Fazit:

Ein durchdachter Fingersatz erleichtert dir nicht nur das Einüben eines neues Stückes, er hilft dir auch auf dem Weg zur Vorspielreife. Am Anfang hast du zwar etwas Aufwand, den Fingersatz auszuwählen und aufzuschreiben, du wirst aber mehr als belohnt dafür.

Wie gehst du bei Fingersätzen vor? Trägst du viel oder wenig ein? Und welche Geheimtipps hast du zum Thema Fingersätze? Ich freue mich über deinen Kommentar 🙂


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  1. Hallo,

    ganz interessanter Beitrag über Fingersätze. Da ich ja vom Keyboardbereich komme und mir jetzt seit 2 Jahren auch die „Klavierseite“ mal drauf schaffen wollte und will, (Stage Piano gekauft).

    Gut das man mal hört, dass sogar ein Profi sich die Fingersätze dranschreibt, sicher nicht alle wie ich jetzt, aber dennoch.
    Und auch nach Wochen wenn man mal das Stück nicht gespielt hat, Fingersatz notiert und läuft viel schneller wieder.
    Was jetzt auch interessant war ist. Ich dachte immer jeder Pianist schaut, dass er sofort wieder in „Grundstellung“ kommt. Das das oft sehr variabel gehandhabt wird wusste ich nicht.

    MfG
    Baier J.

    1. Danke für den Kommentar 🙂
      Der Fingersatz wird oft unterschätzt und jeder ambitionierte Pianist, den ich kenne, hat ganz viel in seinen Noten stehen.
      Vor allem wenn man alte Stücke auspackt, ist ein notierter Fingersatz Gold wert.

  2. Hallo! Ich bin auf der Suche nach Klavier-Akkorden mit Nummerierung der Finger für die entsprechenden Tasten. Es kann doch nicht sein, dass seit zig Jahrhunderten die Devise der richtigen Finger für die entsprechenden Tasten diese ist, einfach auszuprobieren und zu hoffen, dass es bei einer Erweiterung der Akkorde keine Stolperfalle sei – was man ja geübt und sich eingeprägt hat. Also demnach völlig falsch lernen kann und sich umso umständlicher und mühseliger wieder abgewöhnen und umlernen muss! Bei der Gitarre gibt es doch genauso feste Fingersätze zum Greifen der Akkorde. Es kann doch nicht sein, dass rein gar niemand auf der Welt einfach mal sagt: F-Dur-Akkord greifst du mit diesen Fingern – Cis-Moll-Akkord greifst du mit diesen Fingern – und hier sind alle weiteren Akkorde mit der entsprechenden Nummerierung der Finger. Es gibt wirklich im gesamten Netz nur 1 PDF mit 8 Akkorden!! Das kann doch nicht sein…!!!

    1. Hi Jürgen,

      das hätte ich tatsächlich nicht gedacht! Das wäre dann doch ein lohnenswertes PDF zum Erstellen für diese Seite!

      Viele Grüße
      Beat

  3. Ich suche Regeln zum Fingersatz selber setzen, z.B.:Nie mit dem Daumen auf schwarze Tasten.

    5 müssens sein, 4 hab ich schon.

  4. Hallo, nach langen endlosen suchen für einen Klavier Fingersatzbeitrag habe ich die erfolglose suche entnervt
    aufgegeben dabei aber den Beitrag von Jürgen says von 6 April 2020 entdeckt der genau die gleiche Erfahrung und kritische Meinung im PDF Angebot hat. Von der fülle der Klavierlehrer müsste doch einer die Wichtigkeit einer Fingersatz-schule für linke u. rechte Hand erkennen. Nicht auf unzähligen Seiten beschrieben oder kurz auf einen Videobeitrag angetastet- ganz einfach alle Akkorde.mit Umkehrungen Tonleitern nicht nur wo man sie auf den Tasten findet, sondern ganz einfach und wichtig mit welchen Standart Fingersatz sie man greift. Beispiel CEG Finger 123 oder 135 Umkehrung 125 oder235. oder gar mit 543? Notwendige Abweichungen des Erlernten Fingersatzes wird der Musiker bei einiger Erfahrung selbst finden. Falls solche Übungen und Akkordfolgen mit genauen Fingersatz nicht bekannt sind, würde ich den Interessierten die Akkordeonschulen von Curt Mahr, Karl Kühn, Otto Weilburg empfehlen.. ich hoffe das sich im sinne des Klavierschüler etwas ändert !!!!!!

  5. Guten Tag!

    Schöner Blogbeitrag. Bietet Informationen für alle. Ich hoffe, bald mehr informative Blogbeiträge von Ihnen zu lesen. Alles Gute!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Graffitiartist

  6. Dass der Daumen nicht für die schwarze genommenen soll, gilt nicht allgemein. Es gibt viele Stellen, da muss er genommen werden, an anderen Stellen ist er unpraktisch.
    Der Fingersatz ist auch eine Art Gedächtnis.

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