Demenz vorbeugen. Geht das mit Musik?
Ein Gastbeitrag von Uli Zeller.
Ein Musikinstrument zu lernen hat viele Vorteile.
- Du sorgst damit für gute Stimmung.
- Du hast Spaß.
- Und die anderen applaudieren (hoffentlich).
Weiterer Vorteil:
Während du Klavier, Geige oder Flöte übst, beugst du einer Demenz vor.
Du fragst jetzt vielleicht:
Kann ich Demenz wirklich vorbeugen?
Sind nicht nur die Gene schuld?
Ja, ich kann vorbeugen.
Nein, es liegt zum größten Teil nicht an den Genen.
Das, was ich beeinflussen kann, um einer Demenz vorzubeugen, ist mein Lebensstil.
Zum Lebensstil gehört auch, die Musik im Leben eine Rolle spielen zu lassen.
Beispiele neben dem Spielen eines Instruments:
- singen
- ein Lied komponieren
- pfeifen
Musik kann sogar noch mehr als einer Demenz vorbeugen.
Sie kann auch eine bestehende Demenz lindern.
Glaubst du nicht?
Dann hier ein Erlebnis:
In dem Pflegeheim, in dem ich arbeite, stand auf dem Programm:
„Schlagermittag.“
Musiker sind aufgetreten.
Ich fragte die Bewohnerin Frau Schwarz:
„Wollen Sie mitkommen? Ich kann Sie zur Veranstaltung bringen.“
„Du nicht!“, schimpfte Frau Schwarz und fixierte mich finster.
Dazu muss man wissen:
Frau Schwarz ist dement – daher sehr direkt.
Von meiner Kollegin ließ sie sich aber gerne begleiten.
Nach dem Konzert hat Frau Schwarz mir gegenüber ganz anders reagiert.
Dazu später mehr.
Hier jetzt 13 Gründe, warum Musik Demenz vorbeugen kann.
Du brauchst etwa eine Viertelstunde, um diesen Artikel zu lesen.
Wenn du das nächste Mal in die Piano‑Tasten greifst, weißt du:
Damit kann ich Demenz vorbeugen.
Dann macht dir das Üben noch mehr Spaß.
Und, versprochen:
Später erzähle ich dir, wie das Erlebnis mit Frau Schwarz ausgegangen ist.
Demenz vorbeugen #1: Schalte den Mähroboter aus
Gedanken kreisen wie ein Mähroboter durch den Kopf – mal am Rand, mal mitten im Weg.
Das kann belasten und traurig machen. Und das wiederum kann eine Demenz begünstigen.
Statt in düsteren Gedanken festzuhängen, hilft es, den Kopf komplett mit etwas Gutem zu füllen:
- ein Lied hören
- eine Melodie pfeifen
- Klavier spielen
Wie Pippi Langstrumpf sagt:
„Halt den Mund. Und sing ein Lied.“
Musik als Gamechanger.
Sie schaltet den Gedanken‑Rasenmäher aus.
Demenz vorbeugen #2: Träume auf zwei Beinen
Bewegung ist gut für:
- das Gedächtnis,
- das Gleichgewicht,
- und das sichere Gehen.
Eine Bewegungsform schützt besonders vor Demenz:
Tanzen.
Studie dazu
Wer tanzt, träumt sich vor der Demenz davon.
Demenz vorbeugen #3: Mach’s wie die Hühner
Hühner hinterlassen Spuren im Boden, je öfter sie dort scharren.
Genauso hinterlässt Musik Spuren im Gehirn:
Sie bildet das Musikgedächtnis aus – ein Bereich, der selbst bei Alzheimer lange erhalten bleibt.
- Menschen mit Demenz spielen plötzlich Klavier
- kennen Liedtexte auswendig
- und können noch tanzen
Wenn du übst, kannst du dir sagen:
„Ich bilde gerade mein Musikgedächtnis aus.“
Demenz vorbeugen #4: Male Bilder im Kopf
Musik verbindet beide Gehirnhälften – die kreative und die logische.
Studie dazu
Musik macht aus Noten Blätter im Kopf zu Bildern.
Kurz: Musik baut Brücken im Gehirn.
Brücken, die Demenz vorbeugen.
Demenz vorbeugen #5: Lass nicht nur die Sonne versinken
Eine Bewohnerin im Heim war oft unruhig – bis sie ihr Lieblingslied sang:
„Wenn bei Capri die rote Sonne…“
Musik ordnet den Kopf – auch bei gesunden Menschen.
Demenz vorbeugen #6: Wenn du zum größten Pflegedienst gehörst
Die größte ambulante Pflege leisten Angehörige – oft überlastet, oft einsam.
Musik kann ihnen helfen:
- Radio hören
- selbst Musik machen
- in den Chor gehen
Ein Angehöriger erzählte:
„Ich gehe weiterhin in den gemischten Chor – meine Frau mit Demenz kommt einfach mit.“
Musik schafft Gemeinschaft.
Gemeinschaft schützt vor Demenz.
Demenz vorbeugen #7: Wähle die Glückspilz-Methode
Beim Musizieren werden Glückshormone ausgeschüttet:
- Dopamin
- Endorphine
- Oxytocin
Glücksmomente schützen nachweislich vor Demenz.
Erfahrungsbericht
Viele 100-Jährige nennen Musik als Schlüssel zum fit bleiben.
Demenz vorbeugen #8: Finde die Musik deines Lebens
Mit dem Alter verfeinert sich der Musikgeschmack.
Man findet seine tiefsten Lieblingslieder – den „Soundtrack des Lebens“.
Studie
Diese Lieder prägen sich tief ein und bleiben lange erhalten.
Sie können einer Demenz vorbeugen.
Demenz vorbeugen #9: Beachte den wichtigsten Faktor
Musik führt zu:
- mehr Glückshormonen
- w weniger Stresshormonen
- mehr Zufriedenheit
Zufriedenheit senkt das Demenzrisiko.
Neurologische Leitlinie (AAN)
Demenz vorbeugen #10: Was Musik, Essen & Sex gemeinsam haben
„Unser Gehirn reagiert auf Musik ähnlich wie auf Essen und Sex.“
Quelle
Und: Bereits die erste Klavierstunde verändert das Gehirn.
Demenz vorbeugen #11: Musik & der Sinn des Lebens
Musik kann spirituell sein.
Sie gibt Halt und stärkt den inneren Frieden.
Beispiel: Menschen mit Demenz im Gottesdienst.
Die Atmosphäre – und die Musik – beruhigen.
Warum also nicht auch geistliche Lieder spielen?
Das kann Demenz vorbeugen und dem eigenen Leben Sinn geben.

Demenz vorbeugen #12: Wähle die beste Blickrichtung
Musik Ärztezeitung
Glückshormone fördern Dankbarkeit.
Dankbarkeit wiederum verlängert das Leben.
Ich selbst schreibe täglich drei Dinge auf, für die ich dankbar bin.
Geht auch mit Musik.
Demenz vorbeugen #13: Mit Hummeln gegen Demenz
Der „Hummelflug“ gilt als extrem anspruchsvoll.
Wenn ein Orchester ihn spielen kann, zeigt es: Wir funktionieren zusammen.
Gemeinsames Musizieren schützt besonders vor Demenz:
Soziale Kontakte schützen davor
Studie zu Gruppenmusik & Wohlbefinden
- Man plant sein Leben (Probe‑Termine)
- Man hört auf andere Instrumente
- Man sitzt danach zusammen, redet, lacht
War’s das schon?
Fast.
Ich habe dir etwas versprochen:
Wie ging es mit Frau Schwarz weiter?
Nach dem Konzert sagte ich zu ihr:
„Gell, mit Musik geht es einem grad besser. Und während man singt, kann man sich über gar niemanden aufregen.“
Da leuchteten ihre Augen.
Sie schmunzelte:
„Nein, ich hätte auch gar keinen Grund, mich über jemanden aufzuregen.“
Und ganz friedlich ließ sie sich von mir zurückbringen.
Die heilsame Wirkung von Musik – konkret erlebt.
Diese drei Dinge hat Musik bei Frau Schwarz bewirkt:
- Musik hat ihre negativen Gefühle mir gegenüber gestoppt.
- Musik hat ihr gute Laune geschenkt.
- Musik hat sie beruhigt.
Auf meinem Blog beende ich jeden Beitrag mit:
„Lass uns Omas Augen zum Leuchten bringen.“
Als Gast auf Pianobeat sage ich heute:
Greife in die Tasten und bringe damit viele Augen zum Leuchten.
Damit kannst du einer Demenz vorbeugen – bei dir und deinen Zuhörern.
Musikalische Grüße,
Uli
P.S.: Namen und Situationen wurden verändert.
Dies ist ein Gastbeitrag von Uli Zeller.
Er ist Demenz‑Seelsorger und Autor.
Hier bekommst du seinen kostenlosen 7‑Tage‑Kurs:
https://zeller-geschichten.de/7-tage-e-mail-kurs-demenz/

